Es war soweit: Aufbruchtsstimmung in Düsseldorf ! Meine Wohnung war leer und die letzten Tage schlief ich nur noch auf meiner Matratze neben den vielen Kisten und Umzugskartons. Keine Teller mehr, der Kühlschrank schon leer und ich lebte in meinen letzten beiden Pullovern von Maiswaffeln. Ich war bereit für meinen neuen Lebensabschnitt : Hamburg. Die ganze Spannung, das neue Umfeld und die Umzugsvorbereitungen wirkten sich natürlich auch auf meine Ernährung und mein Training aus.

Ich hatte nicht nur einen Lebensabschnitt in Düsseldorf gelassen, sondern auch ein Teil meines bisherigen „Fitness-Lifestyle“: Das Ende des Kalorienzählen.

Zunächst dachte ich, die wenigen Tage ohne den konkreten Überblick über meine Kalorien-und Makronährstoffberechnungen täten mir gut und bieten eine verdiente Auszeit. Doch schon nach wenigen Tagen merkte ich, wie gut mir insbesondere dieser Teil des Loslassens tat.

Die neue Stadt brachte neben dem neuen Job und der nun hellen und freundlichen Wohnung natürlich auch eine große Änderung in Bezug auf meine Trainingseinheiten mit sich, denn ein neues, fremdes Fitnessstudio veränderte meine ursprünglichen Trainingsabläufe ernorm. Zwischen den neuen Geräten und Räumlichkeiten brauchte es einiges an Zeit, um mich in dem nun neuen zu Hause an das „Andere“ zu gewöhnen.

Doch ich hatte keine Angst und freute mich auf die neuen Möglichkeiten und vor allem neuen Menschen, auf die ich in Hamburg treffen würde. Jetzt war ich ja stark und der Blick in den Spiegel, als auch meine ersten, hart erarbeiteten Muskeln bewiesen mir: Ich kann es schaffen.

Hamburg bedeutete durch und durch Veränderung, denn auch beruflich taten sich mir neue Wege auf: ich verließ die Hotellerie, die ewigen Wechsel vonFrüh- & Spätdienst und hatte nun plötzlich ein „normales“ Leben, in welchem ich von 8-17 Uhr arbeitete und nicht mehr Checklisten meinen Arbeitsablauf bestimmten, sondern letztendlich doch ich selbst. Ja, Hamburg war Veränderung und das auch in Bezug auf meine Leidenschaft, dem gesunden und sportlichen Lebensstil. Sie, die Stadt, hatte alles bisherige verändert, doch ich hatte mich an diesem Sommertag an der Alster so in sie verliebt, dass ich es einfach zuließ, denn es fühlte sich richtig an.

Jetzt, als ich meinen Körper annähernd kennenlernte und sah, wie er sich durch das Training veränderte,  wurde mir bewusst, dass ich eigentlich gar nicht mehr wie mein Vorbild Sophia aussehen konnte und wollte. Meine Genetik war wie es sich nun herausstellte eine etwas andere und auch mein persönlicher Wunsch zu mehr Weiblichkeit – angelehnt an meinen neuen Bürojob, in welchem ich nun stets schicke Kleidung trug, wuchs. In den hübschen Sommerblusen wirkten meine Arme irgendwie anders und ich fühlte mich beim Anblick dessen anfangs hilfslos, deplatziert und unwohl. Es gefiel mir nicht, dass man mich „die Bodybuilderin“ nannte.

Mein Vorbild, meine persönliche Vorstellung eines schönen Körpers hatte sich neben meiner gesamten Lebenssituation ebenso verändert.

 

Plötzlich fand ich die sportlichen Figuren von Frauen wie Linn Lowes, Alexandra Bring und Yanita Yancheva richtig toll. Ich wollte weiterhin trainiert und athletisch sein, dennoch meine Weiblichkeit nicht verlieren. Meine starken Schultern und nun muskulösen Beine fingen an „genug zu sein“ und tief in mir spürte ich den Wunsch nach:

  • weniger Vorgaben und festen Abläuften
  • keinen Druck mehr trainieren „zu müssen“
  • ein sportlich, straffer und dennoch weiblicher Körper
  • Fett verlieren
  • mehr Zeit für Sommer, Sonne und kalte Getänke im Hafen Hamburgs

Der Wunsch nach einem durchtrainierten Bauch und geformten Beinen bestand weiterhin – doch wollte ich zwischen all den sich auftuenden Tupperdosen und Abenden im Fitnesstudio wieder ein wenig mehr Frau sein und gleichzeitig mehr Zeit für andere Dinge haben. Ich wollte mich nicht mehr nur in Fitnesskleidung, sondern durch und durch in meiner Haut wohl fühlen.

Ich hatte mich entschieden, nach Düsseldorf und der Hotellerie nun auch einen weiteren Teil zunächst loszulassen, mich für eine weitere Veränderung zu öffen und: ich fühlte mich glücklich damit!

Ich stellte meine Ernährung Tag für Tag um und begann, mich rein intuitiv auf mein Gefühl zu verlassen. Ich hatte meinen Körper nun so gut kennengelernt, dass ich wusste, wie er auf welche Art der Ernährung reagierte. Also löschte ich die Kalorien-App auf meinem Handy und Tupperwaren nutzte ich nun nach und nach zu Hause zur Vorratshaltung und nicht mehr in meiner Handtasche.

Anstelle von ständigen Fitnessnacks wie Proteinriegeln und Proteinshakes griff ich nun immer mehr zu „richtigem“ Essen: Gemüse, Obst, Nüsse etc. Die Ernährungsumstellung brachte über Monate hinweg mit sich, dass ich deutlich an Fett aber auch der ein oder anderen Muskelfaser verlor. Doch beim Blick in den Spiegel fühlte es sich richtig an und ich fand mit Hilfe der auch äußerlichen Veränderung noch mehr zu mir selbst.

(Meine „neue“, aktuelle Ernährung habe ich in meinem Blogpost „Wie ich mich ernähre“ zusammengeschrieben:

Selfcare – Wie ernähre ich mich

 

Auch mein Training verändert sich. Ich begann, nicht nur die Häufigkeit der Trainingseinheiten herunterzufahren, sondern auch die Gewichte. Ich drückte nun keine 12Kilo Hanteln mehr, sonder eben nur noch 8 Kilo oder weniger. Zwar war ich noch immer im früher so gefürchtetem im Freihaltenbereich zu finden, doch trug ich anstatt meiner Zugschlaufen nun lieber meine geliebten Perlenarmbänder um meine Handgelenke.

Ich fand nun auch meine Begeisterung für das Laufen wieder und begann meine Trainingseinheiten mit schweißtreibenden Cardioeinheiten zu beenden. Zwar gab und gibt mir das Krafttraining bis heute eine wunderbare „Ich-Zeit“ und weiteren Ansporn, doch nun hatte ich auch während meinen Läufen neue Wege zu mir selbst gefunden.

Gelassenheit kehrte ein. Gelassenheit im Training, in der Ernährung und mit mir selbst.

 

Natürlich finde ich Sophia weiterhin toll. Ich denke, gerade zu Beginn ist es meiner Meinung nach wichtig, ein Vorbild zu haben. Einen Ansporn, eine Person, mit der man sich identifizieren kann und den Gedanken mit ihr verbindet:

„DAS möchte ich schaffen“

Ein Vorbild kann als Motivation oder idealisiertes Beispiel dienen. Motivation durchzuhalten, nicht aufzugeben und im letzten Satz, obwohl alles brennt, doch nochmal 2 Wiederholungen zu schaffen.

Dennoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass die eigene Genetik und Körperbau von dem des Vorbildes abweichen kann. So wie der eigene Körper, verändern sich auch die Vorbilder – in diesem Prozess kristalisiert sich immer mehr die eigene Art und Form heraus. Daraus entstehen neue Wege – und das ist auch gut so.

Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, bei meinem ersten Besuch vor wenigen Monaten in München einen Ort zu besuchen, an dem in meinen Träumen von Fitness alles begann und welcher mich seit den ersten Schritten stets begleitet hat:

 

Seit den ersten Videos war einer meiner vielen Träume, mal an dem selben Ort zu stehen wie das Vorbild damals. Das alles, was mich in den Anfängen hat eifern lassen, hautnah zu sehen und zu erleben. Ich wollte mir selber ein Stück weit beweisen, dass man es so hart es manchmal schein und so viel Geduld es verlang, Träume real werden können:

Mein Rücken sieht vielleicht nicht genau so aus, wie der von Sophia, doch um diese reine Äußerlichkeit ging es mir mittlerweile auch nicht. Nicht die Tatsache, dass ich an der Stelle stand, an der Sophia sonst steht machte mich glücklich, sondern die Tatsache, dass ich innerhalb des gesamten Prozesses, der durch sie begann, MEINE Art gefunden habe.

Meine Art zu trainieren, zu essen, stark zu werden in Charakter und Denkweise. Am Ende über Berge aber auch Täler zu mir selbst zu finden. Mir für mich zu zeigen, dass Träume und Visionen nicht bei Sonnenaufgang zwischen Kissen und Decken versteckt bleiben, sondern dass man diese – egal was es ist – realisieren und tatsächlich leben kann.

Das ist meine Vision. Das ist athleticwomenfitness.

 

7 Antworten zu “Mein Trainingsbeginn Teil 2”

  1. Sonja sagt:

    Hallo Karolin,

    der Blogeintrag ist natürlich wie auch erwartet mega interessant geworden.. Finde es sehr schön wie du angefangen hast mit dem Sport, dem Lifestyle jedoch aber den Schritt gewagt hast auf deinen Körper zuhören.
    Bin gerade dabei meinen Weg in Bezug auf Ernährung , Inneres Gleichgewicht und Körpergefühl zu finden. Deine Einträge dazu sind natürlich sehr hilfreich !!
    Vielen lieben Dank dafür und Ich zieh den Hut vor deinem Mut und deiner Einstellung.

    lg Sonja

    • Karolin sagt:

      Liebe Sonja, als du mir gestern deinen Kommentar geschrieben hast, stand ich grade auf dem Laufband, laß deine Worte und lief gleich nochmal schneller mit einem Lächeln: DANKE. Es freut mich, dass diese Findung der Balance mit dem Eintrag rüber gekommen ist und er auch für dich in deine derzeitige Situation passt. Ich denke, manchmal sind Extreme ganz gut, sie zu sehen oder zu durchleben um eben dann letzten Endes im Vergleich sagen zu können: Hier ist meine Balance, in diesem Bereich fühle ich mich wohl. Weiterhin alles Liebe für dich und deinen Weg zu deinem Gleichgewicht. Du wirst es finden – ehe du dich versiehst. Deine Karolin

  2. Stephi sagt:

    Ich finde, du bist eine so unglaublich motivierende und inspirierende Person! Und vor allem Vermittelst du so viel positive Energie, das es einen richtig ansteckt. Ich erkenne so viel von mir in deinem Text wieder und für das, was du geschafft hast, bist du ein absolutes Vorbild für mich. Aktuell bin ich auch an dem Punkt, an dem ich weg möchte von Tupperdosen, Kalorien-Tracking und Muskelbergen und mich wieder weiblich fühlen. Vor allem die letzten Monate ist mir aufgefallen, wie viel Lebensqualität verloren gehen kann, wenn man sich von dem Fitnesslifestyle das Leben bestimmen lässt.

    Liebe Grüße
    Stephi

  3. Natalie sagt:

    Liebe Karo,
    heute hab ich es endlich mal geschafft, deinen Blog zu besuchen…
    WOW. Ich lese heute deine Texte das erste mal & bin beeindruckt! ♥
    Nicht nur dein Lebensweg, der sich so gut entwickelt hat und deine Träume verwirklichen ließ, sondern auch deine Art wie du deine eigenen Momente veröffentlichst, erwecken Lebenslust, Mut und Gänsehaut in mir.

    Ich selbst versuche auch gerade meinen perfekten „sportlichen Weg“ in meinem Leben zu finden & einfach zufrieden zu sein und zu leben!
    Nachdem ich all deine tollen Texte gelesen habe, ist in mir der Ehrgeiz gestiegen und damit auch die Motivation nicht aufzugeben.
    DANKE, für diesen tollen Blog, Texte und deine inspirierenden Worte!

    LG Natalie

    • Karolin sagt:

      Liebe Natalie,

      Vielen, vielen Dank für deine Nachricht-ich habe sie mir mehrmals durchlesen müssen und jedes Mal aufs Neue bringt sie mich zum Lächeln. Es freut mich riesig, dass wir meine Texte gefallen. Genau das, diese kleinen Nebensätze aus eigenen Momenten gemischt mit aktuellen Gedanken und Erfahrungen, können meiner Auffassung nach Menschen entzünden und ihnen Mut gebeb, die Dinge – egal was es ist- in die eigene Hand zu nehmen.

      Ich wünsche mir sehr, dass ich dir mit meinen Texten etwas mitgeben kann und dein Ehrgeiz weiter wächst.

      Herzliche Grüße – deine Karolin

  4. […] anzusagen, habe ich schon seit Monaten. Auslöser, es im Februar anzupacken, war unter anderem dieser Artikel der lieben Karolin. Seit ich ca 12 Jahre alt bin, zähle ich Kalorien; mit meinem ersten Smartphone mit 17 nutze ich […]

  5. Romy sagt:

    Liebe Karo,
    ich bin vor ein paar Tagen über deinen Instagram Account gestolpert und so auf deinen Blog gekommen.
    Du sprichst mir gerade total aus dem Herzen. Seit Jahren kämpfe ich schon mit mir die Balance zwischen Disziplin und eigenem Weg zu finden. Von Marathon, über Zumbatrainerin bis 4-5 mal pro Woche Crossfit, ich habe schon einiges ausprobiert. Momentan habe ich aber auch das Gefühl: der Körper ist nicht mein Körper. Ich liebe Crossfit, aber ich vermisse die Weiblichkeit; auch wenn ich nicht so durchtrainiert bin. Dein Artikel bestärkt mich gerade darin, dass jeder auf sich hören muss und das ich vielleicht dem Laufen, was ich fast komplett aufgegeben habe, wieder mehr Zeit geben kann; auch wenn es nicht dem momentanen Schreib nach Muskeln in der Fitnessindustrie entspricht.
    Vielen lieben Dank für diesen persönlichen Einblick in deinen Lifestyle und ich bin auf die nächsten Beiträge gespannt.

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